Fakten

Deutschland vergreist. Demenz nimmt fast epidemisch zu.

Mit einem Durchschnittsalter von 45,7 Jahren ist Deutschland weltweit fast einzigartig, nur Japan hat noch ältere Bürger.
Während 2010 jeder vierte Deutsche über 60 Jahre alt war, wird es 2020 bereits jeder dritte sein- eine Zunahme um 8 Millionen.
Besonders dramatisch: Die Zahl der 80-jährigen wird sich bis 2050 mindestens verdoppeln.

Die Zahl der demenzbetroffenen Menschen stieg nur in den letzten drei Jahren weltweit bereits um 22 %, auch in Deutschland.
Derzeit gibt es in Deutschland bereits 1,4 Millionen Demenzpatienten, bis 2050 wird sich der Wert verdreifachen.

Es besteht insgesamt der starke Wunsch, auch im Alter in der bisherigen Wohnform zu bleiben, fast unabhängig vom Gesundheitszustand.

Bereits heute leben mehr als 5,4 Millionen Menschen in Deutschland im Alter über 60 in Singlehaushalten. 70 % der Senioren möchte so lange wie irgend möglich selbstbestimmt und in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, signifikant.

Ende 2012 waren es in Deutschland bereits 2,4 Millionen, die im Sinne der Pflegeversicherung pflegebedürftig waren, bis 2020 wird mit einem Anstieg um 37 % gerechnett - hierbei sind die Pflegebedüftigen unterhalb der versicherungsrechtlichen Qualifizierungen noch gar nicht enthalten. Dazu kommt die immer kürzere Verweildauer in den Krankenhäusern nach operativen Eingriffen, da die Kliniken nur noch Fallpauschalen statt Anwesenheitstage abrechnen können.

Gleichzeitig gibt immer weniger Menschen, die Angehörige selbst pflegen können.

Frauen können Berufstätigkeit und Pflege immer weniger miteinander vereinbaren: der Anteil der Frauen im Erwerbsalter, die auch tatsächlich berufstätig sind, hat sich seit 2006 von 65 % auf 73 % erhöht. Das Angebot über das Familienpflegezeitgesetz, hierbei zur Pflege eine zweijährige Auszeit zu nehmen, wird nicht angenommen: statt der vom Familienministerium erwarteten 40.000 Anträge wollten in 2012 nicht einmal 150 (!) Menschen das Angebot nutzen. Auch Ältere sind immer länger berufstätig: Der Anteil der Erwerbstätigen unter den 55- bis 64-Jährigen hat sich seit 2006 von 48 auf 65 Prozent erhöht.

Fazit: Die Dienstleistung der Pflege ist krisenfest- nicht konjunkturabhängig und nicht maschinell zu substituieren. In Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung: Die Pflegewirtschaft ist ein gigantischer Wachstumsmarkt.

Umsatz und Kapitalisierung des Pflegemarktes

Der Gesamtpflegemarkt (ambulante und stationäre Pflege) betrug 2011 bereits 33 Milliarden €, bis 2020 soll er auf 45 Milliarden steigen.

Allein der Teilbereich der Behandlungs- und häuslichen Pflege betrug in 2012 bereits 3,88 Milliarden €, bei einem kontinuierlichen Wachstum von jährlich mehreren Hundert Millionen Euro. 2013 betrug der Umfang bereits 4,28 Milliarden, 2014 ist nach alldem von einem Marktvolumen von ca. 4,65 Mrd. und 2015 von ca. 5,0 Mrd. € auszugehen.

Die Kapitalisierung des Marktes wächst hierbei weiter, die derzeitige Bundesregierung wird den Beitragssatz der Pflegeversicherung im Rahmen der ‚Großen Pflegereform‘ ab 2015 anheben. 2017 werden die Pflegestufen neu definiert, unter Einbeziehung auch psychischer Defizite. Beides führt zu weiteren Spielräumen in der Bezahlung von Pflegeleistungen.

Finanzierungsstruktur des Pflegemarktes

Überwiegend wird das Geld von sicheren Schuldnern aufgebracht: fast 70 % über die gesetzliche Pflegeversicherung oder Sozialhilfeträger, nur ca. 30 % über private Quellen (Selbstzahler oder private Versicherungen). Im Zweifel werden die Kosten von den Sozialämtern vorgestreckt und den Gepflegten oder deren Angehörigen (Übernahmeverpflichtung direkter Verwandter nach BGB) in Rechnung gestellt. Unter Umständen müssen private Rücklagen, Immobilienbesitz oder ähnliches verwertet werden.

Die Bereitschaft der Bürger, dieses Pflegerisiko über den Abschluß einer privaten Pflegeversicherung abzudecken, steigt mittlerweile stark an: Staatlich geförderte Zusatzversicherungen für den Pflegefall erleben einen großen Zulauf, allein im Januar 2014 schlossen mehr als 400.000 Bürger den sogenannten "Pflege-Bahr„ ab (die Förderung beträgt fünf Euro pro Monat, wenn der Versicherte mindestens zehn Euro selbst zahlt).

Etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen wird zuhause von Angehörigen versorgt, die Tendenz dazu ist sinkend. Der Trend geht klar zu privaten Dienstleistern.

2009 wurden 61,5 % von Angehörigen und in der eigenen Wohnung gepflegt. Durch die geringe Geburtenrate, der Rückgang der Familienverbände sowie die steigende Frauenerwerbsquote ist seit Jahren ein Trend zur externen Pflege festzustellen.

Die externe Dienstleistung der Pflege wird überwiegend und auch immer stärker von privaten Anbietern erbracht, gemeinnützige Akteure verlieren Marktanteile.

2011 waren 62,9 % der Pflegebetriebe privater Natur, gemeinnützige Anbieter gab es 35,7 %, öffentliche Träger spielten keine Rolle mehr (1,4 %). Die Marktbedeutung der gemeinnützigen Träger sinkt kontinuierlich: waren 2009 noch 5.100 Betriebe aktiv, wurden 2011 nur noch 4.406 registriert. Zudem sank der Anteil an der Gesamtzahl betreuter Personen in diesem Zeitraum von 62 % auf 49,8 %.

Im März 2014 war in Hamburg sogar die Insolvenz von fünf Pflegeeinrichtungen der Caritas zu verzeichnen.